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Allensbach-Studie: Diese Digitalisierungs-Maßnahmen hat die Verpackungsindustrie umgesetzt / Viele Experimente, keine Strategie


Lars Linnekogel
06.04.2022
Lars Linnekogel
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Die Mehrheit der Unternehmen in der Verpackungsindustrie (59 Prozent) hält sich bei der Digitalisierung für mindestens ‚ganz gut aufgestellt‘. Dennoch gibt es keine Digitalisierungs-Maßnahme, die von mindestens der Hälfte der Befragten schon umgesetzt worden ist. Vorn auf der Liste: 46 Prozent haben sich mit Lieferanten vernetzt, 36 Prozent Daten-getriebene Prozessoptimierung eingeführt, 32 Prozent setzen digitale Werkzeuge zur Minimierung von Stillständen ein. Die Zufriedenheit mit den Ergebnissen schwankt. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie in der Verpackungsindustrie in Deutschland, Österreich und der Schweiz des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Unternehmensberatung TTE Strategy.

  • Aktuelle Befragung von 81 Unternehmen durch das Institut für Demoskopie Allensbach
  • Nur eine Minderheit ist bisher einer Digitalisierung-Strategie gefolgt (34 Prozent)
  • Nur mit zwei Digitalisierungs-Maßnahmen ist eine Mehrheit der Unternehmen, die sie auch umgesetzt haben, ‚sehr‘ zufrieden

Auf den beiden letzten von 15 Plätzen zur Umsetzung von Digital-Maßnahmen liegen digitale Werkzeuge, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) Verkaufspotenziale einschätzen sowie ein smartes Beschwerde- und Reklamationsmanagement. Nur jeweils fünf Prozent der befragten Unternehmen haben angegeben, das eine oder das andere eingeführt zu haben. Ebenfalls nur selten umgesetzt: KI zu Optimierung von Transport- und Lieferketten (sechs Prozent), so genannte ‚Digitale Zwillinge‘ (zwölf Prozent), vollautomatisierte Lager (19 Prozent) und Prozess-Automatisierung (Robotic Process Automation, 21 Prozent).

„Es lassen sich drei Trends in den Allensbach-Zahlen erkennen“, sagt Lars Linnekogel, Gründer und Managing Director von TTE Strategy. „Erstens: Alle befragten Unternehmen haben sich dem Thema Digitalisierung angenommen – aber keine Technologie wird bisher von einer erkennbaren Mehrheit eingesetzt. Zweitens: Die Unternehmen haben mehr Maßnahmen umgesetzt, um Kosten zu senken als um Umsatz zu steigern. Und drittens: Die Zufriedenheit hinsichtlich der umgesetzten Maßnahmen schwankt, auch wenn mehrheitlich eine grundsätzlich zufriedene Tendenz ablesbar ist.“

Experimente überwiegen, wenige Unternehmen haben eine Digitalisierungs-Strategie entwickelt

38 Prozent der befragten Unternehmen, die digitale Werkzeuge zur Minimierung von Stillständen eingeführt haben, sind mit diesen unzufrieden. Jedes vierte Unternehmen (24 Prozent) äußert Unzufriedenheit mit der Umsetzung von Daten-getriebener Prozessoptimierung (Process Mining) sowie der Vernetzung mit Lieferanten, 23 Prozent sind mit ihrem digitalen Kundenportal nicht zufrieden. Eine besonders hohe Zufriedenheit verzeichnen eingeführte vollautomatisierte Lager (73 Prozent ‚sehr‘ zufrieden) und 3D-Drucker (69 Prozent).

Während die Unternehmen bei allen untersuchten Einzelmaßnahmen mehrheitlich mindestens eher zufrieden sind, ist aber abseits der benannten Lager und 3D-Drucker stets nur eine Minderheit ‚sehr‘ zufrieden (durchschnittlich: 22,5 Prozent ohne die gerade benannten Maßnahmen).

Mögliche Gründe für diese eher nüchternen Bewertungen liefern die Unternehmen in der Allensbach-Befragung gleich mit: Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) haben angegeben, dass die Zeitpläne für die Einführung der Maßnahmen nicht eingehalten werden konnten. Bei 37 Prozent wurden die zuvor prognostizierten Kosten überschritten. Nur 34 Prozent haben auf eine grundsätzliche Digitalisierungs-Strategie gesetzt. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) arbeitet dagegen nur auf der Ebene von Einzelmaßnahmen an der Digitalisierung. Darum haben sich die Unternehmen vor allem von IT-Experten unterstützten lassen (78 Prozent), nur eine kleine Minderheit von 14 Prozent hat auch strategische Expertise herangezogen.

„Jede einzelne Maßnahme in sich kann ein großer Schritt für ein Unternehmen sein“, sagt Lars Linnekogel. „Aber das eigentliche Potenzial von Digitalisierung entfaltet sich, wenn man die strategische Perspektive einnimmt. Erst diese ermöglicht es zu prüfen, ob man die richtige Priorisierung gewählt hat, welches Know-how bereits vorhanden ist, das für eine erfolgreiche Umsetzung benötigt wird und wie man Maßnahme auf Maßnahme aufeinander aufbaut. Aus meiner Sicht ist es immer besser zu experimentieren, als nichts zu tun. Ersteres haben die Unternehmen bisher getan. Das kann allerdings kein langfristiger Ansatz sein. Jetzt gilt es, den Maßnahmen einen echten strategischen ‚Scope‘ zu geben, um den zukünftigen Wertbeitrag zur Gesamtentwicklung des Unternehmens realistisch einordnen und damit gezielt steuern zu können.“

Faktor Mensch wird häufig unterschätzt: „Informieren und Aufgaben verteilen heißt noch lange nicht ‚Mitnehmen‘.“

Lars Linnekogel sagt: „Wir sehen sehr häufig noch einen weiteren Effekt, der zu Problemen und damit zu Qualitätseinbußen führt. Und das ist die fehlende Unterstützung durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ In der Allensbach-Untersuchung geben 83 Prozent der Befragten an, dass die Einbindung der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für den Erfolg von Digitalisierungsmaßnahmen ‚besonders wichtig‘ sei. 75 Prozent sehen das gleichzeitig als ‚größte Herausforderung‘. Nahezu alle (89 Prozent) sind auch der Überzeugung, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so früh wie möglich eingebunden und damit ausreichend an Bord geholt zu haben.

„Die letzte Aussage verwundert zunächst, wenn man es mit unseren Einblicken in den Markt spiegelt“, sagt Lars Linnekogel. „Auf den zweiten Blick bestätigt sie jedoch, was wir häufig vorfinden. Die Unternehmen glauben, sie hätten den ‚Buy In‘ der Mitarbeiter, weil diese sich nicht aktiv wehren. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sie wirklich mitmachen. Unter der Oberfläche lehnen sie vor allem dann Veränderungen ab, wenn sie nicht richtig eingebunden wurden. Informieren und Aufgaben verteilen heißt noch lange nicht ‚Mitnehmen‘. Letzteres ist aus unserer Sicht der häufigste Fehler, der bei der Implementierung gemacht wird – und dieser Fehler hat oft sehr weitreichende und langfristige Konsequenzen.“

In nur  14 Prozent befragten Unternehmen wurden die Digitalisierungs-Maßnahmen aus Abteilungen wie Vertrieb oder Produktion heraus initiiert. In 86 Prozent der Fälle wurden die Prozesse dagegen durch die Geschäftsführung angestoßen, in 16 Prozent durch die IT-Abteilung. „Gerade auf der Ebene der Einzelmaßnahmen kann man in vielen Bereichen beobachten, dass diese aus der Fach- und Arbeitsebene heraus begonnen werden“, sagt Lars Linnekogel. „Das ist hier jedoch nicht der Fall. Unternehmen sollten darum ein besonderes Augenmerk darauf legen, wie engagiert die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wirklich sind. Und Ansätze entwickeln, um dieses ‚Engagement‘ aufzubauen und zu ihrem Vorteil zu nutzen.“

Über die Untersuchung: TTE Packaging Barometer ‚Digital 2022‘

Im Auftrag von TTE Strategy hat das Institut für Demoskopie Allensbach 81 Unternehmen aus der Verpackungsindustrie in Deutschland (60), Österreich (9) und der Schweiz (12) auf oberer Führungsebene hinsichtlich der Digitalisierung des eigenen Unternehmens befragt. In Viertel der Unternehmen setzt über 100 Mio. Euro im Jahr um, zehn Prozent mehr als 500 Mio. Euro.

Ein Schwerpunkt der Studie liegt auf konkreten Aussagen zur faktischen Umsetzung von Maßnahmen im eigenen Unternehmen – und unterscheidet sich dadurch von zahlreichen anderen Sektor-Studien auf Basis von Selbsteinschätzungen.

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